Tenebre
OriginaltitelTenebrewww.worldofmovies.net
Produktionsjahr1982
ProduktionslandItalien          
LabelILLUSIONS UNLTD. films
GenreSpannung/Thriller          Krimi
Laufzeit96:47 Min.
DarstellerJohn Saxon, Giuliano Gemma, Daria Nicolodi, Anthony Franciosa, Mirella D'Angelo, Christian Borromeo, Ania Pieroni, Veronica Lario, Isabella Amadeo, Eva Robins
RegieDario Argento
Kinostart0000-00-00
erhältlichLink zu AMAZON
DVD-Veröffentlichung2007-12-05
FSK
18
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InhaltAls der amerikanische Erfolgsschriftsteller Peter Neal nach Rom reist, um dort seinen neuesten Kriminalroman "TENEBRE" vorzustellen, geschehen in seiner unmittelbaren Umgebung eine Reihe blutiger Morde, die nach dem Vorbild seines Romans ausgeführt werden. Schon bald erhält Neal anonyme Briefe, in denen der offensichtlich wahnsinnige Killer nun auch ihm, dem korrupten Anstifter einer erkommenen Welt, mit dem Tode droht. Neal nimmt die blutige Spur des Mörders auf und gerät dabei zunehmend in ein verwirrendes Labyrinth aus Verdächtigungen, Androhungen, Erinnerungen, Betrug und Intrigen, dessen Pfade alle zu jemandem zu führen scheinen, der in seiner Kindheit eine schreckliche Traumatisierung erfahren hat. Gegen Ende schließlich bricht der Wahnsinn in einem Blutbad nie gekannten Ausmaßes endgültig hervor...

Filmkritik
Tenebre gilt als absoluter Klassiker seines (Sub)Genres, welches unter dem Begriff „Giallo“ bekannt wurde. Für die einen einer der grössten Hypes der Filmgeschichte, für die anderen ein zu Recht verehrtes Meisterwerk. Welche Seite bietet nun die überzeugenderen, fundierteren Argumente ? Dies werde ich im Verlaufe meines Reviews herauszufinden versuchen. Nun, insofern man etwas vertraut mit den übrigen Werken Dario Argentos ist, (besonders seinen frühen Giallo Werken) dürfte man in Tenebre Argentos Schaffen auf der absoluten Höhe seines Könnens geniessen können. Es ist aber nicht alles Gold, was glänzt :

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Die grösstenteils zu Recht kritisierte Storyline gibt sich, giallotypisch, eher wirr und hüpft förmlich von einem Puzzlestückchen zum anderen und bietet eine eher fade Auflösung. Man könnte gar sagen, Argento hangle sich von einem Mord zum anderen, und fülle den Raum dazwischen bloss mit eher belanglosem Beiwerk. Nahezu ein klassisches Krimi-Konstrukt bekommt man hier im Verlaufe des Filmes geboten, in diesem Bereich wird einem also absolut nichts herausragendes präsentiert. ABER warum lasse ich für Tenebre dann eine Höchstwertung springen

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Das liegt in der Art und Weise, wie Argento inszeniert, begründet. Wichtig ist bei Argento eigentlich nicht, was er inszeniert, sondern wie er es inszeniert. Jedes kleinste Detail scheint bis ins äusserste durchchoreographiert zu sein, sein Inszenierungsstil gibt sich optisch opulent und verschmilzt mit den düsteren Klangbildern der Progressiv-Rockband The Goblin zu einem nahezu extasischen Augen- und Ohrenschmaus. Unter anderem intensiviert Argento die Mordsequenzen durch gezielten Kameraeinsatz bis ins äusserste, wenn er z.b. das spätere Mordopfer aus der Sicht des Mörders (von welchem nur argentotypisch die schwarzen Handschuhe ins Bild ragen) über einen Platz jagen, es mehrmals über Hindernisse straucheln und schlussendlich grausam zu Tode kommen lässt. Unterlegt mit den nahezu mystischen „The Goblin“ Synthesizer-Melodien ein durch und durch gänsehauterregendes Schauspiel, ein ungeheuer raffiniert visualisierter Todestanz sozusagen.

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„Tanz“, im Sinne unzähliger bis ins kleinste Detail durchchoreographierter Bewegungsabläufe beschreibt dabei Argentos Millimeterarbeit ziemlich genau. Seien es nur die wunderschönen Kamerafahrten, welche schon mal geschmeidig flüssig durch zwei Häuser hindurch zirkulieren und dabei den gerade durch ein Fenster eindringenden Mörder entblössen, langsam eine Mordwaffe entlangdriftende Kamerawinkel oder die gezielte Auswahl der teilweise nahezu surrealistischen Schauplätze, Argentos dunkle Poesie drückt nahezu aus allen Poren. Nur Puristen oder Falschinformierte bemängeln da angesichts dieser Qualitäten noch die fehlende Handlungslogik oder die eher schablonenhaften Charaktere.

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Die Darsteller liefern allesamt ein solides und passendes Spiel ab, laufen aber zu keinem Zeitpunkt zu Höchstleistungen auf. Allerdings sind darstellerische Leistungen in einem Argento Film sowieso eher als Beiwerk zu betrachten, getragen wird der Film in erster Linie durch die inszenatorische Brillanz und die aussergewöhnliche Optik.

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Viel zur optischen Qualität des Filmes tragen die beinahe monochrom wirkenden Farben, welche einerseits zwar satt und kräftig wirken, trotzdem aber auf eine seltsame Art und Weise jeglicher Helligkeit und Farbenfrohheit beraubt zu sein scheinen, bei. Besonders in Kombination mit bindfadenartigen Regengüssen ergeben sich so nahezu malerische Bilder, welche sogar die graphischsten Mordsequenzen auf eine gewisse Art und Weise wunderschön erscheinen lassen, und zu faszinieren wissen.

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Die Gewaltdarstellung, welche zwar zugegebenermassen sehr explizit ausfällt, trotzdem aber zu keiner Zeit selbstzweckhaft wirkt, ist ein tragendes Element in Argentos Tenebre. Typisch für Argento, und öfters auch von Moralaposteln zu Unrecht kritisiert, ist der raffiniert aufgebaute Spannungsbogen, welcher stets in einem durchaus sehr graphischen Gewaltakt endet. Die bis dahin aufgebaute, teils gar immense Spannung entlädt sich so durch und durch wuchtig und lässt den Zuschauer mit einem flauen Gefühl im Magen und einem begeisterten Ausdruck im Gesicht zurück. Argento an dieser Stelle Gewaltverherrlichung vorzuwerfen, wäre also mehr als deplaziert, und würde von mässigem Verständnis für die Materie zeugen.

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In meinen Augen stellt Dario Argentos Tenebre den absoluten Höhepunkt aller Gialli dar, da er zwar einerseits auf dem genreüblichen, soliden Giallo-Grundgerüst basiert, das Ganze aber quasi in ein „argentoneskes“ Gewand hüllt, und ihm somit einen einzigartigen Touch verleiht. Argentos Arbeiten lassen sich im Prinzip in die Sparten „Gialli“ und „Suspense-Mystery Thriller“ unterteilen, wobei mir persönlich die Arbeiten aus zweiterem Bereich noch ein klein wenig besser gefallen.

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Fazit : Je nach Sicht des Betrachters, je nach Auslegung der eigenen Schwerpunkte, prangert man bei Tenebre entweder den Handlungsverschleiss und die mangelnde Spannung an, oder, wie in meinem Falle, erfreut sich an der sehr ästhetischen Umsetzung und dem exzellenten Soundtrack sowie der brillanten Kameraarbeit. Fakt aber ist : Dario Argento liefert hier den wohl besten Giallo aller Zeiten ab, baut seinen „Tenebre“ auf einem soliden Giallogrundgerüst auf und mischt gezielt und gekonnt Zutaten wie eine famose Optik, eine unglaublich stimmige Atmosphäre und einen wunderbaren Score bei. Für Liebhaber von hochstehendem Italo-Kino sowieso ein absolutes Must-See !




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Filmreview erstellt von Dave Maurer